KI-Training abschalten: So nutzen ChatGPT, Claude, Gemini & Co. deine Chats nicht mehr
Wer als Freelancer Angebotsentwürfe, Kundenmails oder Projektnotizen in einen KI-Assistenten kopiert, sollte wissen: Bei den meisten Privat- und Einzeltarifen dürfen die Anbieter Chats standardmäßig zum Training ihrer Modelle verwenden. Das lässt sich fast überall abschalten – allerdings an unterschiedlichen Stellen, mit unterschiedlichen Folgen und mit Ausnahmen, die man kennen sollte. Dieser Ratgeber fasst die Einstellungen der wichtigsten Assistenten nach den Hilfeseiten der Anbieter zusammen (Stand Oktober 2026). Wir haben die Schalter nicht in jedem Konto selbst nachgeprüft; Menübezeichnungen können sich ändern.
Warum das für Selbstständige wichtig ist
Training heißt: Inhalte aus Gesprächen können in künftige Modellversionen einfließen und werden dafür länger aufbewahrt. Für vertrauliche Kundeninformationen, Geschäftsgeheimnisse oder personenbezogene Daten ist das ein Risiko – auch datenschutzrechtlich, weil du als Verantwortlicher für die Daten deiner Kunden einstehst. Das Abschalten des Trainings ersetzt allerdings keinen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV). Wann du einen brauchst, steht im Ratgeber ChatGPT und DSGVO.
Übersicht: Wo der Schalter sitzt
| Assistent | Standard bei Privat-/Einzeltarifen | Wo abschalten | Business-Tarife |
|---|---|---|---|
| ChatGPT (Free, Go, Plus, Pro) | Training möglich | Einstellungen → Datenkontrollen → „Improve the model for everyone“ aus (deutsche Oberfläche sinngemäß „Das Modell für alle verbessern“), alternativ Privacy Portal „Do not train on my content“ | Business/Enterprise/Edu laut OpenAI standardmäßig kein Training |
| Claude (Free, Pro, Max) | eigene Wahl bei Anmeldung | Datenschutz-Einstellungen → „Help improve Claude“ | Team/Enterprise und API fallen nicht unter diese Regel |
| Gemini | „Aktivitäten speichern“ ab 18 Jahren an | gemini.google.com → Einstellungen & Hilfe → Aktivitäten → Deaktivieren | Workspace-Konten nach Admin-Vorgaben |
| Microsoft Copilot (privates Konto) | Training möglich | Profil → Datenschutz → „Training on conversation activity“ und „Training on voice conversations“ | Entra-ID-Konten laut Microsoft ausgenommen |
| Mistral Vibe (ehem. Le Chat) | Free: Training möglich | Admin-Panel → Vibe → Privacy → Schalter „Allow your interactions to be used to train our models“; App: Data & Account Controls | Pro, Team, Enterprise laut Mistral-Doku standardmäßig kein Training |
ChatGPT: Datenkontrollen und temporärer Chat
Laut OpenAI-Hilfe genügt eine der beiden Varianten – der Schalter in den Datenkontrollen oder das Opt-out im Privacy Portal. Danach werden neue Unterhaltungen nicht mehr fürs Training genutzt; die Einstellung gilt im Konto über Web und App hinweg und betrifft bei privaten Tarifen auch Codex-Aufgaben. Bestehende Chats bleiben im Verlauf. Für einzelne heikle Fragen gibt es den temporären Chat: Er erscheint nicht im Verlauf, legt keine Erinnerungen an und wird nicht zum Training genutzt, kann aber bis zu 30 Tage aus Sicherheitsgründen gespeichert werden. Wichtig: Wer einen temporären Chat speichert, macht ihn zu einem normalen Chat.
Claude: Training und Aufbewahrungsdauer hängen zusammen
Anthropic hat 2025 die Verbraucherbedingungen geändert: Nutzer von Free, Pro und Max entscheiden selbst, ob ihre Chats und Coding-Sitzungen zur Verbesserung von Claude verwendet werden. Mit erlaubtem Training können Daten laut Anthropic in de-identifizierter Form bis zu fünf Jahre aufbewahrt werden, ohne Training gilt die bisherige Frist von 30 Tagen. Die Einstellung betrifft neue oder wieder aufgenommene Chats – wer einen alten Chat erneut öffnet, unterstellt ihn der aktuellen Einstellung. Gelöschte Chats werden laut Anthropic nicht für künftiges Training verwendet; bereits laufende oder abgeschlossene Trainings bleiben unberührt. Inkognito-Chats werden nicht zum Training genutzt. Details zu den Tarifen im Ratgeber Claude-Preise.
Gemini: „Aktivitäten speichern“ und menschliche Prüfer
Bei Gemini steuert die Einstellung „Aktivitäten speichern“ (Keep Activity), ob künftige Chats zur Verbesserung der Google-KI genutzt und von menschlichen Prüfern gelesen werden können. Google nennt in seinem Datenschutz-Hub mehrere Punkte, die man kennen sollte:
- Auch mit ausgeschalteter Einstellung werden Chats bis zu 72 Stunden mit dem Konto gespeichert, um zu antworten, Feedback zu verarbeiten und Missbrauch zu verhindern.
- Bereits von Prüfern gesichtete Chats sind vom Konto getrennt und werden bis zu drei Jahre aufbewahrt – auch wenn du deine Aktivitäten löschst.
- Bei ausgeschalteter Einstellung stehen einige verbundene Apps nicht zur Verfügung.
Für einzelne Fragen gibt es auch bei Gemini temporäre Chats, die nicht zum Training genutzt werden.
Microsoft Copilot und Mistral
Microsoft trennt bei Copilot mit privatem Microsoft-Konto zwischen Text- und Sprachgesprächen; beide Schalter liegen unter Datenschutz. Laut Microsoft-FAQ werden unter anderem Nutzer mit Organisationskonto (Entra ID), Copilot in Microsoft-365-Apps mit Personal- oder Family-Abo sowie nicht angemeldete Nutzer nicht fürs Training herangezogen. Das Opt-out schließt laut Microsoft nicht aus, dass Gespräche für andere Produktverbesserungen, Sicherheit und Werbung im Rahmen der Datenschutzerklärung verwendet werden. Bei Mistral sind die Schalter für Vibe und für die API getrennt – wer beides nutzt, muss beide setzen. Mehr zum europäischen Anbieter im Ratgeber Mistral als EU-Alternative.
Nicht nur Chatbots nutzen Inhalte fürs Training: Auch LinkedIn trainiert generative KI mit Profilen und Beiträgen aus der EU. Wo die Einstellung liegt und was ein Widerspruch bewirkt, erklärt der Ratgeber LinkedIn KI-Training: Widerspruch.
Die Feedback-Falle
Fast alle Anbieter machen eine Ausnahme für Bewertungen: Wer bei OpenAI, Anthropic, Google oder Mistral auf Daumen hoch oder runter klickt oder Feedback absendet, gibt damit in der Regel das betroffene Gespräch für die Verbesserung frei – auch bei abgeschaltetem Training. Anthropic bewahrt Feedback-Daten laut eigener Angabe bis zu fünf Jahre auf. Faustregel: Bei vertraulichen Chats keine Bewertungsknöpfe nutzen.
Checkliste für Freelancer
- In jedem genutzten Assistenten das Training abschalten – auch in der Smartphone-App kontrollieren, ob die Einstellung angekommen ist.
- Für Kundendaten Business-Tarife mit AVV bevorzugen oder Daten vorher anonymisieren (siehe Kundendaten anonymisieren).
- Temporäre oder Inkognito-Chats für einmalige heikle Fragen nutzen.
- Keine Bewertungen in vertraulichen Chats abgeben.
- Die eingesetzten KI-Dienste in der eigenen Datenschutzerklärung und im Verarbeitungsverzeichnis dokumentieren.
- Für besonders sensible Inhalte eine lokale Lösung prüfen: Lokale KI mit Ollama und LM Studio (Tool-Profil: Ollama).
Anbieterseiten
ChatGPT öffnen Profil
Claude öffnen Profil
Google Gemini öffnen Profil
Microsoft Copilot öffnen Profil
Mistral Vibe öffnen Profil
FAQ
Werden alte Chats nach dem Abschalten aus dem Training entfernt?
In der Regel nicht rückwirkend. OpenAI und Microsoft sprechen von neuen bzw. künftigen Gesprächen; Anthropic schreibt, dass laufende oder abgeschlossene Trainings unberührt bleiben. Löschen hilft zumindest für künftige Trainings.
Reicht das Abschalten des Trainings für die DSGVO?
Nein. Wenn du personenbezogene Kundendaten verarbeitest, brauchst du je nach Fall einen Auftragsverarbeitungsvertrag und eine Rechtsgrundlage. Das Training-Opt-out ist nur ein Baustein.
Was ist ein temporärer Chat?
Ein Chat, der nicht im Verlauf erscheint und nicht zum Training genutzt wird. ChatGPT speichert solche Chats laut OpenAI bis zu 30 Tage aus Sicherheitsgründen, Gemini bis zu 72 Stunden.
Gilt die Einstellung auch in der App?
Bei ChatGPT gilt sie laut OpenAI kontoweit für Web und Mobilgeräte, wenn du angemeldet bist. Bei Mistral ist der Schalter in der App getrennt beschrieben. Prüfe es auf jedem Gerät.
Nutzen Business-Tarife meine Daten zum Training?
Laut OpenAI, Anthropic und Mistral standardmäßig nicht. Prüfe trotzdem die Vertragsbedingungen des konkreten Tarifs.
Quellen (Stand Okt 2026)
- OpenAI Help: Data controls in ChatGPT
- OpenAI Help: How your data is used to improve model performance
- Anthropic: Updates to Consumer Terms and Privacy Policy
- Anthropic Privacy Center: How long do you store my data?
- Google: Gemini Apps Privacy Hub
- Google: Aktivitäten in Gemini-Apps verwalten
- Microsoft: Copilot privacy controls
- Microsoft: Privacy FAQ for Microsoft Copilot
- Mistral Help: Opt out of training
- Mistral Docs: Privacy and data controls
Weiterlesen
- ChatGPT und DSGVO: Welche Tarife einen AVV haben
- Kundendaten vor der KI anonymisieren: Methoden und Checkliste
- Datenschutzerklärung und KI-Tools: Was du ergänzen musst
- Lokale KI mit Ollama und LM Studio: Sprachmodelle auf dem eigenen Rechner
- Claude Free, Pro oder Max: Preise und Nutzungslimits 2026 erklärt
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