Stundensatz berechnen als Freelancer: Formel, Rechenbeispiel und Marktdaten 2026
„Was soll ich verlangen?“ ist eine der häufigsten Fragen von Freelancern. Viele orientieren sich am früheren Bruttogehalt oder an dem, was Kollegen nennen. Beides führt oft zu Sätzen, die nach Abzug von Kosten, Vorsorge und unbezahlter Arbeit nicht reichen. Dieser Ratgeber zeigt eine nachvollziehbare Rechnung für deinen Mindest-Stundensatz und ordnet sie mit aktuellen Marktdaten ein. Die Beispielwerte sind Annahmen zur Illustration – setze deine eigenen Zahlen ein.
Die Formel
Mindest-Stundensatz (netto) = (Zielgewinn vor Steuern + Betriebskosten + Vorsorge) ÷ abrechenbare Stunden pro Jahr
Der Satz ist netto, also ohne Umsatzsteuer. Wenn du nicht Kleinunternehmer bist, kommt die Umsatzsteuer auf der Rechnung obendrauf und wird ans Finanzamt abgeführt – sie ist kein Einkommen.
Schritt 1: Zielgewinn festlegen
Der Zielgewinn ist das, was nach Betriebskosten und Vorsorge vor Einkommensteuer übrig bleiben soll. Er deckt Lebenshaltung, Einkommensteuer und Rücklagen. Eine einfache Orientierung: Was brauchst du im Monat zum Leben, plus einen Puffer für Steuern? Wer vorher angestellt war, sollte bedenken, dass dort Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, bezahlter Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bereits eingepreist waren.
Schritt 2: Betriebskosten zusammenrechnen
Laut Freelancer-Kompass 2026 von freelancermap geben Freelancer im Schnitt 783 € pro Monat für betriebliche Ausgaben aus – Software, Hardware, Versicherungen, Weiterbildung, Marketing, Steuerberatung, Arbeitsplatz. Deine Liste kann kürzer oder länger sein; typische Posten:
- Software-Abos (Buchhaltung, KI-Assistent, Design, Cloud-Speicher)
- Hardware-Abschreibung (Laptop, Monitor, Telefon)
- Berufshaftpflicht und weitere Versicherungen
- Steuerberatung, Bankkonto, Website und Hosting
- Weiterbildung, Fachliteratur, Fahrten
Welche Tool-Kosten du absetzen kannst, erklärt KI-Tools steuerlich absetzen.
Schritt 3: Vorsorge einplanen
Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge und gegebenenfalls Berufsunfähigkeitsversicherung zahlst du als Selbstständiger allein. Die Beiträge hängen von Kasse, Einkommen und Vertrag ab; frage konkrete Zahlen bei deiner Krankenkasse bzw. deinem Versicherer an. Wer künstlerisch oder publizistisch arbeitet (etwa Design, Text, Fotografie), sollte die Künstlersozialkasse prüfen: Dort tragen Versicherte laut KSK nur rund die Hälfte der Beiträge selbst. Im Rechenbeispiel unten ist dafür pauschal ein Betrag angesetzt, der nur zur Illustration dient.
Schritt 4: Abrechenbare Stunden realistisch schätzen
Hier liegt der häufigste Fehler. Ein Jahr hat nicht 52 × 40 abrechenbare Stunden:
- 365 Tage minus 104 Wochenendtage minus rund 10 Feiertage = etwa 251 Werktage
- minus 30 Tage Urlaub und 10 Tage Krankheit = 211 Arbeitstage
- bei 8 Stunden: 1.688 Arbeitsstunden
Davon ist nicht alles abrechenbar. Akquise, Angebote, Buchhaltung und Weiterbildung kosten Zeit – und wer Aufträge über Plattformen gewinnt, zahlt dort oft Provision (siehe Freelancer-Plattformen im Gebührenvergleich). Der Freelancer-Kompass 2026 nennt im Schnitt 12 % nicht abrechenbare Arbeitszeit; die Befragten sind allerdings stark aus dem IT-Projektgeschäft, wo lange Projekte üblich sind. Wer viele kleine Aufträge hat, sollte deutlich mehr einplanen. Hinzu kommen Leerlaufzeiten zwischen Projekten. Eine Auslastung von 60 bis 75 % der Arbeitsstunden ist für viele Solo-Selbstständige eine vorsichtige Annahme.
Rechenbeispiel
| Posten | Annahme | Betrag pro Jahr |
|---|---|---|
| Zielgewinn vor Steuern | Annahme | 60.000 € |
| Betriebskosten | 783 €/Monat (Kompass-Durchschnitt) | 9.396 € |
| Vorsorge (Kranken-, Pflege-, Altersvorsorge) | Annahme | 15.000 € |
| Summe | 84.396 € |
- Bei 88 % abrechenbar (1.485 Stunden): 84.396 € ÷ 1.485 ≈ 56,83 € pro Stunde
- Bei 70 % abrechenbar (1.182 Stunden): 84.396 € ÷ 1.182 ≈ 71,40 € pro Stunde
Der Unterschied von fast 15 € pro Stunde entsteht allein durch die Auslastungsannahme. Rechne deshalb immer mit einem vorsichtigen Wert und betrachte das Ergebnis als Untergrenze, nicht als Zielpreis.
Marktdaten zur Einordnung
Laut Freelancer-Kompass 2026 (1.310 Befragte im DACH-Raum) lag der durchschnittliche Stundensatz 2026 bei 103 € und damit erstmals seit Jahren leicht unter dem Vorjahr (104 €). Männer kamen im Schnitt auf 104 €, Frauen auf 100 €. Der durchschnittliche Monatsumsatz aus Projektarbeit lag bei 6.653 €, der Median bei 5.000 €. Die Zufriedenheit mit dem Einkommen sank von 66 % auf 55 %.
Wichtig für die Einordnung: Die Studie bildet vor allem IT-Freelancer ab. Für Texter, Designer oder Coaches können die Marktpreise deutlich anders aussehen. Nutze Marktdaten als Plausibilitätscheck – liegt deine Untergrenze weit über dem, was dein Markt zahlt, musst du an Kosten, Auslastung oder Positionierung arbeiten.
Vom Stundensatz zum Angebot
- Pauschalpreise: Schätze die Stunden pro Projekt aus erfassten Zeiten ähnlicher Projekte und multipliziere mit deinem Satz plus Risikopuffer.
- Tagessätze: Bei acht Stunden ergibt 71,40 € etwa 571 € pro Tag. Viele runden auf glatte Werte.
- Anzahlungen: Bei größeren Projekten sichern Abschlagsrechnungen die Liquidität (siehe Abschlagsrechnungen).
- Angebote formulieren: Vorlagen und Prompts dazu im Ratgeber ChatGPT-Prompts für Angebote und Rechnungen.
Zeiterfassung: die Grundlage für den nächsten Preis
Ob deine Kalkulation stimmt, siehst du erst im Nachhinein. Eine Zeiterfassung wie Toggl Track zeigt, wie viele Stunden ein Projekt wirklich gedauert hat und wie hoch dein effektiver Stundensatz war. Was der Free-Tarif kann, erklärt Toggl Track Free oder Starter. Eine günstigere Alternative mit abrechenbaren Stundensätzen ab dem kleinsten Bezahltarif vergleicht der Abschnitt Toggl oder Clockify. Rechnungsprogramme wie Lexware Office können Stunden direkt als Positionen übernehmen.
Regelmäßig überprüfen
Rechne die Kalkulation mindestens einmal im Jahr neu: Kosten steigen, Versicherungsbeiträge ändern sich, deine Erfahrung wächst. Viele Freelancer passen ihre Sätze für Neukunden jährlich an und kündigen Anpassungen für Bestandskunden rechtzeitig an.
Anbieterseiten
Toggl Track öffnen Profil
Lexware Office öffnen Profil
FAQ
Wie berechne ich meinen Stundensatz als Freelancer?
Addiere Zielgewinn, Betriebskosten und Vorsorge pro Jahr und teile die Summe durch die realistisch abrechenbaren Stunden. Das Ergebnis ist dein Mindest-Stundensatz netto.
Wie viele Stunden kann ein Freelancer im Jahr abrechnen?
Nach Abzug von Wochenenden, Feiertagen, Urlaub und Krankheit bleiben bei acht Stunden täglich rund 1.700 Arbeitsstunden. Davon ist je nach Auslastung oft nur 60 bis 88 % abrechenbar.
Was ist der durchschnittliche Stundensatz 2026?
Laut Freelancer-Kompass 2026 von freelancermap 103 € im DACH-Raum, überwiegend aus dem IT-Bereich.
Ist der Stundensatz brutto oder netto?
Kalkuliere netto. Die Umsatzsteuer kommt auf der Rechnung hinzu, sofern du nicht Kleinunternehmer bist.
Wie oft sollte ich meinen Stundensatz anpassen?
Mindestens einmal im Jahr neu rechnen, weil sich Kosten, Vorsorgebeiträge und Auslastung ändern.
Quellen (Stand Okt 2026)
Weiterlesen
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- Abschlagsrechnungen für Freelancer: Anzahlung, Umsatzsteuer und Schlussrechnung
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