Recherche-Ratgeber · Buchhaltung/Rechnung

Stundensatz berechnen als Freelancer: Formel, Rechenbeispiel und Marktdaten 2026

Recherche-Ratgeber · Stand Oktober 2026 · kein Praxistest · veröffentlicht 19.10.2026 · aktualisiert 03.11.2026 · 9 Min ·

Teil der Themenübersicht Buchhaltung & Rechnungen für Freelancer: Alle Ratgeber im Überblick

Link kopierenTeilenWhatsAppLinkedInXE-Mail

Hinweis: Dieser Beitrag ist eine Recherche auf Basis öffentlicher Anbieterangaben und Gesetzestexte (Stand Okt 2026), kein Praxistest. Preise und Limits können sich ändern, prüfe sie vor dem Kauf auf der verlinkten Quelle. Keine Rechts- oder Steuerberatung.

„Was soll ich verlangen?“ ist eine der häufigsten Fragen von Freelancern. Viele orientieren sich am früheren Bruttogehalt oder an dem, was Kollegen nennen. Beides führt oft zu Sätzen, die nach Abzug von Kosten, Vorsorge und unbezahlter Arbeit nicht reichen. Dieser Ratgeber zeigt eine nachvollziehbare Rechnung für deinen Mindest-Stundensatz und ordnet sie mit aktuellen Marktdaten ein. Die Beispielwerte sind Annahmen zur Illustration – setze deine eigenen Zahlen ein.

Die Formel

Mindest-Stundensatz (netto) = (Zielgewinn vor Steuern + Betriebskosten + Vorsorge) ÷ abrechenbare Stunden pro Jahr

Der Satz ist netto, also ohne Umsatzsteuer. Wenn du nicht Kleinunternehmer bist, kommt die Umsatzsteuer auf der Rechnung obendrauf und wird ans Finanzamt abgeführt – sie ist kein Einkommen.

Schritt 1: Zielgewinn festlegen

Der Zielgewinn ist das, was nach Betriebskosten und Vorsorge vor Einkommensteuer übrig bleiben soll. Er deckt Lebenshaltung, Einkommensteuer und Rücklagen. Eine einfache Orientierung: Was brauchst du im Monat zum Leben, plus einen Puffer für Steuern? Wer vorher angestellt war, sollte bedenken, dass dort Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, bezahlter Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bereits eingepreist waren.

Schritt 2: Betriebskosten zusammenrechnen

Laut Freelancer-Kompass 2026 von freelancermap geben Freelancer im Schnitt 783 € pro Monat für betriebliche Ausgaben aus – Software, Hardware, Versicherungen, Weiterbildung, Marketing, Steuerberatung, Arbeitsplatz. Deine Liste kann kürzer oder länger sein; typische Posten:

Welche Tool-Kosten du absetzen kannst, erklärt KI-Tools steuerlich absetzen.

Schritt 3: Vorsorge einplanen

Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge und gegebenenfalls Berufsunfähigkeitsversicherung zahlst du als Selbstständiger allein. Die Beiträge hängen von Kasse, Einkommen und Vertrag ab; frage konkrete Zahlen bei deiner Krankenkasse bzw. deinem Versicherer an. Wer künstlerisch oder publizistisch arbeitet (etwa Design, Text, Fotografie), sollte die Künstlersozialkasse prüfen: Dort tragen Versicherte laut KSK nur rund die Hälfte der Beiträge selbst. Im Rechenbeispiel unten ist dafür pauschal ein Betrag angesetzt, der nur zur Illustration dient.

Schritt 4: Abrechenbare Stunden realistisch schätzen

Hier liegt der häufigste Fehler. Ein Jahr hat nicht 52 × 40 abrechenbare Stunden:

Davon ist nicht alles abrechenbar. Akquise, Angebote, Buchhaltung und Weiterbildung kosten Zeit – und wer Aufträge über Plattformen gewinnt, zahlt dort oft Provision (siehe Freelancer-Plattformen im Gebührenvergleich). Der Freelancer-Kompass 2026 nennt im Schnitt 12 % nicht abrechenbare Arbeitszeit; die Befragten sind allerdings stark aus dem IT-Projektgeschäft, wo lange Projekte üblich sind. Wer viele kleine Aufträge hat, sollte deutlich mehr einplanen. Hinzu kommen Leerlaufzeiten zwischen Projekten. Eine Auslastung von 60 bis 75 % der Arbeitsstunden ist für viele Solo-Selbstständige eine vorsichtige Annahme.

Rechenbeispiel

PostenAnnahmeBetrag pro Jahr
Zielgewinn vor SteuernAnnahme60.000 €
Betriebskosten783 €/Monat (Kompass-Durchschnitt)9.396 €
Vorsorge (Kranken-, Pflege-, Altersvorsorge)Annahme15.000 €
Summe84.396 €

Der Unterschied von fast 15 € pro Stunde entsteht allein durch die Auslastungsannahme. Rechne deshalb immer mit einem vorsichtigen Wert und betrachte das Ergebnis als Untergrenze, nicht als Zielpreis.

Marktdaten zur Einordnung

Laut Freelancer-Kompass 2026 (1.310 Befragte im DACH-Raum) lag der durchschnittliche Stundensatz 2026 bei 103 € und damit erstmals seit Jahren leicht unter dem Vorjahr (104 €). Männer kamen im Schnitt auf 104 €, Frauen auf 100 €. Der durchschnittliche Monatsumsatz aus Projektarbeit lag bei 6.653 €, der Median bei 5.000 €. Die Zufriedenheit mit dem Einkommen sank von 66 % auf 55 %.

Wichtig für die Einordnung: Die Studie bildet vor allem IT-Freelancer ab. Für Texter, Designer oder Coaches können die Marktpreise deutlich anders aussehen. Nutze Marktdaten als Plausibilitätscheck – liegt deine Untergrenze weit über dem, was dein Markt zahlt, musst du an Kosten, Auslastung oder Positionierung arbeiten.

Vom Stundensatz zum Angebot

Zeiterfassung: die Grundlage für den nächsten Preis

Ob deine Kalkulation stimmt, siehst du erst im Nachhinein. Eine Zeiterfassung wie Toggl Track zeigt, wie viele Stunden ein Projekt wirklich gedauert hat und wie hoch dein effektiver Stundensatz war. Was der Free-Tarif kann, erklärt Toggl Track Free oder Starter. Eine günstigere Alternative mit abrechenbaren Stundensätzen ab dem kleinsten Bezahltarif vergleicht der Abschnitt Toggl oder Clockify. Rechnungsprogramme wie Lexware Office können Stunden direkt als Positionen übernehmen.

Regelmäßig überprüfen

Rechne die Kalkulation mindestens einmal im Jahr neu: Kosten steigen, Versicherungsbeiträge ändern sich, deine Erfahrung wächst. Viele Freelancer passen ihre Sätze für Neukunden jährlich an und kündigen Anpassungen für Bestandskunden rechtzeitig an.

Anbieterseiten

Affiliate-Hinweis (Werbung): Links mit Partnerstatus sind als „sponsored“ markiert. Für dich ändert sich der Preis nicht.

Toggl Track öffnen Profil
Lexware Office öffnen Profil

FAQ

Wie berechne ich meinen Stundensatz als Freelancer?

Addiere Zielgewinn, Betriebskosten und Vorsorge pro Jahr und teile die Summe durch die realistisch abrechenbaren Stunden. Das Ergebnis ist dein Mindest-Stundensatz netto.

Wie viele Stunden kann ein Freelancer im Jahr abrechnen?

Nach Abzug von Wochenenden, Feiertagen, Urlaub und Krankheit bleiben bei acht Stunden täglich rund 1.700 Arbeitsstunden. Davon ist je nach Auslastung oft nur 60 bis 88 % abrechenbar.

Was ist der durchschnittliche Stundensatz 2026?

Laut Freelancer-Kompass 2026 von freelancermap 103 € im DACH-Raum, überwiegend aus dem IT-Bereich.

Ist der Stundensatz brutto oder netto?

Kalkuliere netto. Die Umsatzsteuer kommt auf der Rechnung hinzu, sofern du nicht Kleinunternehmer bist.

Wie oft sollte ich meinen Stundensatz anpassen?

Mindestens einmal im Jahr neu rechnen, weil sich Kosten, Vorsorgebeiträge und Auslastung ändern.

Quellen (Stand Okt 2026)

Weiterlesen

Ähnliche Ratgeber

← Alle Artikel

0/3 Vergleichen