Recherche-Ratgeber · Recht/DSGVO

KI-Kompetenz nach Art. 4 AI Act: Was kleine Firmen umsetzen müssen

Recherche-Ratgeber · Stand Okt 2026 · veröffentlicht 18.10.2026 · aktualisiert 03.11.2026 · 7 Min ·

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Hinweis: Dieser Beitrag ist eine Recherche auf Basis öffentlicher Anbieterangaben und Gesetzestexte (Stand Okt 2026), kein Praxistest. Preise und Limits können sich ändern, prüfe sie vor dem Kauf auf der verlinkten Quelle. Keine Rechts- oder Steuerberatung.

Artikel 4 der KI-Verordnung ist kurz, betrifft aber fast jedes Unternehmen: Wer KI-Systeme anbietet oder betreibt, muss Maßnahmen zur KI-Kompetenz seines Personals ergreifen. Die Pflicht gilt seit dem 2. Februar 2025. Der Digital Omnibus (Verordnung (EU) 2026/1744) hat sie zum 27. Juli 2026 entschärft, aber nicht gestrichen. Für Freelancer mit ChatGPT-Abo und kleine Agenturen stellt sich die Frage: Was genau ist jetzt Pflicht, und wie dokumentiere ich das?

Was der Artikel verlangt

In der ursprünglichen Fassung mussten Anbieter und Betreiber ein „ausreichendes Maß“ an KI-Kompetenz sicherstellen. Seit dem 27. Juli 2026 lautet Artikel 4 Absatz 1: Anbieter und Betreiber ergreifen Maßnahmen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals und anderer Personen, die in ihrem Auftrag mit KI arbeiten, zu unterstützen. Ausdrücklich steht dort, dass kein bestimmtes Kompetenzniveau garantiert werden muss. Berücksichtigt werden sollen technische Kenntnisse, Erfahrung, Ausbildung und der Kontext, in dem die KI eingesetzt wird, sowie die Personen, die davon betroffen sind. Die Verordnung schreibt kein bestimmtes Zertifikat und keine Mindeststundenzahl vor.

Gilt das auch für Solo-Selbstständige?

Die Pflicht richtet sich an Anbieter und Betreiber. Wer KI im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit nutzt, ist Betreiber. Als Solo-Selbstständiger hast du kein Personal im klassischen Sinn – die Pflicht greift aber, sobald du Mitarbeitende, Aushilfen oder freie Mitarbeiter einsetzt, die in deinem Auftrag mit KI arbeiten. Für dich selbst ist KI-Kompetenz ohnehin die Voraussetzung, um Haftungsrisiken gegenüber Kunden zu vermeiden.

Was das praktisch bedeutet

Aus einer Ergebnispflicht ist eine Bemühenspflicht geworden. Du musst nachweisen können, dass du etwas getan hast, nicht dass alle ein Niveau erreicht haben. Zusätzlich sollen Kommission und Mitgliedstaaten gerade KMU unterstützen; die Kommission veröffentlicht dazu Praxisbeispiele auf ihrer zentralen Informationsplattform. Sinnvoll bleibt ein risikobasierter Ansatz: Wer KI nur für Entwürfe interner Texte nutzt, braucht weniger Tiefe als jemand, der KI-Ergebnisse direkt an Kunden gibt oder mit personenbezogenen Daten arbeitet. Sinnvoll sind Grundkenntnisse in vier Bereichen:

Pragmatische Umsetzung in fünf Schritten

  1. Bestandsaufnahme: Liste alle KI-Tools, die im Unternehmen genutzt werden, mit Zweck und Tarif.
  2. Nutzungsregeln: Eine Seite reicht: erlaubte Tools, verbotene Daten (z. B. Gesundheitsdaten, Passwörter, unveröffentlichte Kundenzahlen), Prüfpflicht vor Veröffentlichung.
  3. Schulung: Eine kurze interne Einweisung oder ein Online-Kurs. Wichtig ist, dass sie zum Einsatz passt. Wie du Kurse und KI-Schulungen steuerlich behandelst, steht im Ratgeber Weiterbildungskosten absetzen.
  4. Dokumentation: Datum, Inhalt und Teilnehmende festhalten. Das ist dein Nachweis.
  5. Auffrischung: Bei neuen Tools oder neuen Einsatzfeldern die Regeln anpassen.

Vorlage: Inhalte einer KI-Nutzungsrichtlinie

AbschnittBeispielinhalt
Freigegebene ToolsChatGPT Business, DeepL Pro, Canva – jeweils mit Tarif
Tabu-Datenpersonenbezogene Kundendaten ohne AVV, Zugangsdaten, Geschäftsgeheimnisse
PrüfpflichtFakten, Zahlen und Zitate vor Weitergabe an Kunden prüfen
KennzeichnungChatbots und fotorealistische KI-Bilder kennzeichnen
Ansprechpersonwer Fragen beantwortet und Tools freigibt

Sanktionen

Laut EU-Kommission gelten die Überwachungs- und Durchsetzungsvorschriften ab dem 3. August 2026. Ein eigener Bußgeldtatbestand für Artikel 4 findet sich in Artikel 99 nicht. Fehlende KI-Kompetenz kann aber bei Schäden eine Rolle spielen, etwa bei der Frage, ob ein Unternehmen seine Sorgfaltspflichten erfüllt hat. Die Dokumentation schützt dich also auch zivilrechtlich.

Fazit

Artikel 4 verlangt nach der Omnibus-Änderung erst recht kein Bürokratiemonster, sondern nachvollziehbare Maßnahmen. Eine einseitige Richtlinie, eine dokumentierte Einweisung und eine Tool-Liste sind für kleine Teams ein solider Start. Wer mit Kundendaten oder in sensiblen Branchen arbeitet, sollte tiefer gehen und sich rechtlich beraten lassen.

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FAQ

Seit wann gilt die Pflicht zur KI-Kompetenz?

Seit dem 2. Februar 2025. Seit dem 27. Juli 2026 gilt sie in der durch den Digital Omnibus geänderten, abgeschwächten Fassung.

Brauche ich ein Zertifikat?

Nein. Die KI-Verordnung schreibt weder ein Zertifikat noch eine Mindestdauer vor und verlangt seit 2026 ausdrücklich kein bestimmtes Kompetenzniveau.

Gilt Artikel 4 für Solo-Selbstständige?

Er gilt für Anbieter und Betreiber von KI-Systemen und betrifft Maßnahmen für das Personal und Personen, die im Auftrag mit KI arbeiten. Sobald du andere einsetzt, solltest du sie schulen.

Wie weise ich KI-Kompetenz nach?

Mit dokumentierten Schulungen, einer Nutzungsrichtlinie und einer Liste der eingesetzten Tools.

Quellen (Stand Okt 2026)

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