Große Dateien sicher an Kunden senden: WeTransfer, SwissTransfer und was die DSGVO verlangt
Fotografinnen, Videoproduzenten, Designer und Agenturen müssen regelmäßig Dateien verschicken, die für jeden E-Mail-Anhang zu groß sind. Transferdienste lösen das in Sekunden – aber sie bekommen dabei Zugriff auf Kundendaten. Dieser Ratgeber vergleicht zwei bekannte Dienste anhand ihrer offiziellen Angaben und zeigt, worauf es datenschutzrechtlich ankommt. Wir haben die Dienste nicht praktisch geprüft.
WeTransfer: Limits nach Tarif
Laut WeTransfer-Hilfecenter gelten folgende Grenzen (rollierend über 30 Tage):
| Tarif | Limit laut WeTransfer | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Free | 10 Transfers oder 3 GB pro 30 Tage | Grundfunktionen |
| Starter | 10 Transfers oder 300 GB pro 30 Tage | kostenpflichtig |
| Ultimate | unbegrenzte Transfers | individuelles Ablaufdatum, Passwortschutz |
| Teams / Enterprise | für mehrere Nutzer | Enterprise mit SSO und SCIM |
Der AGB-Streit im Juli 2025
Im Juli 2025 sorgte eine geplante Änderung der WeTransfer-Nutzungsbedingungen für Kritik. Wie heise berichtete, enthielt eine Klausel Formulierungen zu maschinellem Lernen und Inhaltsmoderation sowie eine weitreichende Lizenz an hochgeladenen Inhalten. Nach der Kritik überarbeitete WeTransfer die Klausel. Laut WeTransfer-Blog vom 14. Juli 2025 beschränkt sich die Lizenz nun darauf, den Dienst zu betreiben, zu entwickeln und zu verbessern; Inhalte würden nicht für KI-Training genutzt und nicht verkauft. Die neuen Bedingungen galten laut Blog ab dem 8. August 2025 für Bestandskunden.
Unabhängig davon zeigt der Fall: AGB von Transferdiensten können sich ändern. Wer regelmäßig vertrauliche Kundendateien verschickt, sollte die Bedingungen gelegentlich prüfen.
SwissTransfer: Gratisdienst aus der Schweiz
SwissTransfer ist ein Dienst des Schweizer Hosters Infomaniak. Laut Anbieter gilt in der kostenlosen Version:
- bis zu 50 GB pro Transfer, unbegrenzte Anzahl an Transfers pro Monat,
- Verfügbarkeit wählbar zwischen 1 und 30 Tagen (60 Tage im Enterprise-Angebot),
- bis zu 250 Downloads kostenlos, unbegrenzt in kostenpflichtigen Angeboten,
- optionaler Passwortschutz und Begrenzung der Downloads,
- kein Konto nötig; beim ersten Versand von einem neuen Gerät muss die E-Mail-Adresse bestätigt werden,
- Speicherung ausschließlich in Schweizer Rechenzentren, Verschlüsselung bei der Übertragung (TLS) und im Ruhezustand (AES-256).
Laut Infomaniak-FAQ werden Dateien nach Ablauf endgültig gelöscht; abgelaufene Links lassen sich nicht wiederherstellen. Bei sehr großen Transfers über 10 GB weist Infomaniak darauf hin, dass Empfänger Dateien einzeln statt als ZIP herunterladen müssen. Die Schweiz hat einen Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission, Datenübermittlungen dorthin sind also grundsätzlich ohne zusätzliche Garantien möglich.
Was die DSGVO verlangt
Sobald Dateien personenbezogene Daten enthalten – Fotos von Personen, Kundenlisten, Verträge, Personalunterlagen –, gilt die DSGVO. Für Selbstständige heißt das in der Praxis:
- Auftragsverarbeitung klären: Ein Transferdienst verarbeitet die Daten in deinem Auftrag. Prüfe, ob der Anbieter einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) anbietet und unter welchen Bedingungen; Hinweise in der AVV-Checkliste.
- Datenübermittlung prüfen: Bei Anbietern mit US-Bezug kommt es auf den Rechtsrahmen an, siehe US-Tools und Data Privacy Framework.
- Datenminimierung: Nur senden, was der Empfänger braucht, und kurze Ablaufzeiten wählen.
- Angemessene Sicherheit: Bei sensiblen Daten Passwortschutz oder zusätzliche Verschlüsselung nutzen.
Passwörter und Verschlüsselung richtig einsetzen
Ein Passwort schützt nur, wenn es nicht im selben Kanal wie der Link verschickt wird. Besser: Link per E-Mail, Passwort per Telefon, SMS oder Messenger. Wer dafür WhatsApp geschäftlich nutzt, sollte die Datenschutzfragen kennen (siehe WhatsApp Business und DSGVO). Starke Passwörter erzeugt ein Passwortmanager wie Bitwarden (siehe Passwortmanager für Freelancer).
Für besonders sensible Inhalte – etwa Gesundheitsdaten oder Verträge mit Geschäftsgeheimnissen – kann man Dateien vor dem Upload selbst verschlüsseln, zum Beispiel als verschlüsseltes ZIP- oder 7z-Archiv mit AES-256. Dann sieht auch der Transferdienst keine Inhalte. Welche Optionen es für E-Mails gibt, erklärt der Ratgeber E-Mail-Verschlüsselung und DSGVO.
Alternative: eigener Speicher
Wer ohnehin Webspace oder Cloud-Speicher hat, etwa bei Hostinger oder IONOS, kann Freigabelinks auch über eine eigene Cloud-Lösung erstellen. Das gibt mehr Kontrolle über Speicherort und Löschung, erfordert aber Pflege und Updates. Für Dauerablage sind Transferdienste ohnehin ungeeignet – Infomaniak schreibt selbst, SwissTransfer sei nicht zur Archivierung gedacht. Für Sicherungen gilt die Backup-Strategie.
Wenn etwas schiefgeht
Ein Link an den falschen Empfänger kann eine meldepflichtige Datenpanne sein. Dann zählt Geschwindigkeit: Transfer sofort löschen oder deaktivieren, den Vorfall dokumentieren und prüfen, ob eine Meldung an die Aufsichtsbehörde innerhalb von 72 Stunden nötig ist. Details im Ratgeber Datenpanne melden.
Fazit
Für gelegentliche Dateien reichen Gratisdienste. SwissTransfer bietet laut Anbieter großzügige Limits mit Speicherung in der Schweiz, WeTransfer begrenzt die Gratisversion auf 3 GB oder 10 Transfers in 30 Tagen. Bei Kundendaten zählen AVV, kurze Ablaufzeiten und Passwörter über einen zweiten Kanal mehr als die Wahl des Dienstes.
Anbieterseiten
Bitwarden öffnen Profil
Hostinger öffnen Profil
IONOS öffnen Profil
FAQ
Wie viel kann man mit WeTransfer Free senden?
Laut WeTransfer 10 Transfers oder 3 GB innerhalb von rollierenden 30 Tagen.
Ist SwissTransfer kostenlos?
Ja, laut Infomaniak bis 50 GB pro Transfer, bis 250 Downloads und 1 bis 30 Tage Verfügbarkeit; es gibt zusätzlich kostenpflichtige Angebote.
Nutzt WeTransfer meine Dateien für KI-Training?
Laut WeTransfer-Blog vom Juli 2025 nicht; die überarbeiteten Bedingungen schließen KI-Training und Verkauf aus.
Brauche ich einen AVV für Transferdienste?
Wenn personenbezogene Daten übertragen werden, verarbeitet der Dienst diese in deinem Auftrag; ein AVV ist dann in der Regel erforderlich.
Quellen (Stand Okt 2026)
- WeTransfer Help Center: Plan limits
- WeTransfer Blog: Terms of Service changes July 2025
- heise online: Wetransfer und die AGB-Änderung
- Infomaniak: SwissTransfer
- Infomaniak FAQ: SwissTransfer-Limits
- Infomaniak FAQ: Datensicherheit von SwissTransfer
Weiterlesen
- E-Mails verschlüsseln: was die DSGVO von Freelancern verlangt
- AVV-Checkliste: Auftragsverarbeitung mit SaaS-Tools richtig regeln
- US-Tools und Data Privacy Framework: Was Selbstständige 2026 wissen müssen
- Passwortmanager für Freelancer: Auswahl, Passkeys und Notfallplan
- Datenpanne melden: was Freelancer in den ersten 72 Stunden tun müssen
- Backup-Strategie für Freelancer: 3-2-1-Regel einfach umgesetzt
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